Die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie trauert um Peter Gülke. Der Dirigent, Musikwissenschaftler und Autor war im Herbst 2022 nach vielen Jahren erstmals wieder als Gast bei uns und dirigierte neben Beethovens Violinkonzert auf unseren Vorschlag erstmals eine Sinfonie von Emilie Mayer, ein Werk, welches ihn so nachhaltig begeisterte, dass er ihm einen Text in seinem Buch „Von geschriebenen Worten zu klingenden Tönen“ widmete. Ein weiteres Gastdirigat von Gülke erlebte das Orchester im April 2024, eine Woche vor seinem 90. Geburtstag, auf dem Programm die Symphonie Classique Sergej Prokofievs, das letzte der Mozart’schen Klavierkonzerte sowie die letzte große Sinfonie Joseph Haydns.
„Ein kleines Orchester, aber ein Weltklasse-Orchester“ urteilte er euphorisch nach den ersten Proben, und weiter: „Es gibt mit dem Orchester keinen Stillstand, man arbeitet abends dort weiter, wo man morgens aufgehört hatte, anstatt sich wiederholen zu müssen. „Neben den Dirigaten, die für uns unvergessen und ein großes Erlebnis waren, sind die von ihm gehaltenen, durch die unvergleichliche Verbindung von historischem Wissen und musikalischer Erkenntnis geprägten Konzerteinführungen sowie das gemeinsame „Philharmonische Phrühstück“, in welchem er nicht nur über musikalisches, auch über seine eigene Geschichte, sein Verhältnis zur DDR, in der er aufgewachsen war, und sein Leben als Künstler und Wissenschaftler leidenschaftlich berichtete.
Geboren 1934 in Weimar war seine erste Station als Chefdirigent 1964 am Theater in Stendal, wohin er mit unserem Konzert im April 2024 nach 60 Jahren zurückkehrte. Nach weiteren Stationen als Chefdirigent in Potsdam und Stralsund ging er als Kapellmeister an die Dresdner Staatsoper. Von 1981 bis 1983 war er Generalmusikdirektor der Staatskapelle in Weimar, eine Zeit, in der die Drangsalierungen des Staates ihm derart zusetzten, dass er ein Gastspiel an der Hamburgischen Staatsoper zur Gelegenheit nahm, in der Bundesrepublik Deutschland zu bleiben. Neben seiner regen Gastspieltätigkeit war Peter Gülke von 1986 bis 1996 GMD der Stadt Wuppertal, wo unser Chefdirigent Jan Michael Horstmann für fünf Jahre sein Assistent war und in ihm einen Lehrer, Mentor und Freund fand.
Neben der Dirigentenlaufbahn, die ihn zuletzt als Chefdirigent zu den Brandenburger Sinfonikern führte, war Gülke Gastprofessor an zahlreichen Universitäten, von denen hier Bochum, Freiburg, Basel und die renommierte Harvard-Universität genannt seien.Ehrendoktorwürden an zahlreichen Universitäten, wichtige Kunstpreise, darunter den Ernst von Siemens Kunstpreis, der als der Nobelpreis der Musik gilt, das Bundesverdienstkreuz am Bande und der Orden pour le Mérite wurden ihm zuteil. Zahllos die Veröffentlichungen seiner Bücher, von mittelalterlichem Minnegesang bis hin zu neuer und neuester Musik. Dietrich Fischer-Dieskau urteilte über Gülkes „Schubert und seine Zeit“, es sei das wichtigste Buch, welches über Schubert geschrieben sei, und ein Redakteur des WDR beschrieb die schriftstellerische Tätigkeit: „Man kann seine Bücher nur lesen, wenn man alles über Musik weiß, um dann durch Gülke zu erfahren, dass man noch längst nicht alles über Musik weiß.“
Nun ist Prof.Dr.Peter Gülke am 26.April, drei Tage vor seinem 92. Geburtstag, in Weimar gestorben. Die Mitteldeutsche Kammerphilharmonie hält die Erinnerung an die gemeinsamen musikalischen Erlebnisse in tiefer, dankbarer Erinnerung.











